Hinter dem Horizont

Es blicken Augenpaare hinter den Horizont.

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Oft hab ich mir schon gedacht, die größte Zivilisationskrankheit ist die Sucht nach dem Schmerz.

Der Grund dafür mag unsere Abgestumpftheit sein, wir brauchen den Schmerz, um zu wissen, dass wir am Leben sind. Und vor allem brauchen wir das Leiden anderer.

Wie sensationsgeil lesen wir schmerzhaft detailgetreu beschriebene Begebenheiten, in denen Kinder verhungert, verrottet, misshandelt, ausgesetzt worden sind, wie lechzen wir nach der Berichterstattung der Fälle, in denen täglich neue Überreste von Babyleichen entdeckt werden. Wie berauschend angeekelt lassen wir uns berieseln von den Berichten, in denen Menschen sich gegenseitig verstümmeln und verspeisen. Wir sitzen da, gemütlich bei einem Bierchen in unseren Wohnzimmern, sabbernd nach einem möglichst schockierenden Gesprächsthema, gieren mit großen Augen nach noch mehr Einzelheiten und möglichst vielen bunten Bildern von den Schauplätzen des Schreckens.

Wir zerreißen uns das Maul über Tierquäler, sehen mit offenen Mündern wie lebende Kaninchen in der Mikrowelle gegrillt, Katzen mit Wachs zu Tode gequält und Nutztiere mit dem Knochenmehl ihrer Artgenossen gefüttert werden - um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Krieg, Fluten und Waldbrände, die ganze Existenzen auslöschen, verfolgen wir gespannt in Live-Bildern im Fernsehen, schütteln entrüstet das Köpfchen und saugen sämtliche Daten und Fakten in uns auf, um mitreden zu können.

Und sollte es nicht genug Aktuelles geben, was uns innerlich vor Schock aufstöhnen lässt, dann geben wir uns Horrorfilme, lesen Bücher, in denen Menschen gewissenlos abgeschlachtet werden wie die Schweine und vor allem genauso viel Blut spritzt. Wir gehen täglich durch die Hölle, sehnen uns nach Leid, Schmerz und Qual anderer. Denn - wir selbst sind niemals betroffen.

Und wenn all das nicht genügt, dann ziehen wir uns eine andere Zivilisationskrankheit zu, die sich aktuell ausbreitet wie die Pest: SVV. Selbstverletzendes Verhalten. Um zu spüren, dass wir noch am Leben sind, verstümmeln wir uns selbst, körperlich, bis Blut fließt, seelisch, bis wir zusammenbrechen.

Ich denke, wenn wir Menschen so weitermachen, haben wir uns in wenigen Jahrzehnten selbst ausgerottet, denn wir sind mehr als krank.



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